Auf Luthers Spuren in Malaysia

Ipoh/Hof. Damit hatten die Gäste aus Hof nicht gerechnet: Im Norden Malaysias, wo die Delegation des evangelischen Dekanats seit Dienstag zu Besuch bei dem Partnerdekanat ist, entdeckten sie Martin Luther. Auf dem Uhrturm in der 700.000 Einwohner-Stadt Ipoh ist der Reformator mit der Bibel in der Hand dargestellt. Als einer von 44 Persönlichkeiten, die - so ist auf einer Tafel zu lesen - die Zivilisation prägten.

"Es war für uns eine große Überraschung, in einem heute mehrheitlich muslimisch geprägten Land an prominenter Stelle den Reformator dargestellt zu sehen", meinte Dekan Günter Saalfrank. Auch wenn der Turm aus der englischen Kolonialzeit stammte, sei Martin Luther aus dem Fies nicht entfernt worden, der den vor über 100 Jahren errichteten Turm umgibt. Anders als Mohammed, dessen Bild verschwunden ist, da der Religionsgründer nicht dargestellt werden dürfe. Übrigens: Über noch eine Person wunderten sich die Kirchenvertreter aus Oberfranken. Auch Mose ist dargestellt: mit den zehn Geboten auf einer Tafel in der Hand.

Über zwei Wochen ist die vierköpfige Delegation im Norden des asiatischen Staates unterwegs - auf Luthers Spuren. Sie besucht lutherische Gemeinden und lernt die Sozialarbeit der dortigen Gemeinden in Altenheimen und einer Klinik kennen. Außerdem wollen sich die Gästen über die Arbeit unter den Orang Asli, den Ureinwohnern des Landes, informieren: Zum Beispiel über deren medizinische Betreuung.

Überrascht wurden Pfarrer Florian Bracker, Dekan Günter Saalfrank sowie die Missionsbeauftragten Dagmar Zaha und Gottfried Rädlein auch von der Offenheit der Bevölkerung gegenüber Gästen. "Wir erlebten keine Vorbehalte gegenüber Fremden", brachte es Gottfried Rädlein auf den Punkt.

An die tropischen Temperaturen in Malaysia müssen sich die Hofer allerdings noch gewöhnen. Tagsüber ist es mindestens 31 Grad heiß, nachts kühlt es nur auf 24 Grad ab. Klimaanlagen gehören deshalb zum Alltag in dem asiatischen Land.   güs