Hofer jenseits der Zivilisationsgrenze

Ipoh/Hof. Jenseits der Zivilisationsgrenze bewegte sich die Delegation des evangelischen Dekanats Hof bei ihrer Reise in Malaysia. Sie besuchte das abgelegene Gebiet der Orang Asli, der Ureinwohner des asiatischen Landes, um dort die missionarische Arbeit der lutherischen Kirche hautnah zu erleben.

Schon die über einstündige Fahrt mit einem schmalen Boot, in dem gerade sieben Personen Platz  finden, ist ein Abenteuer. Denn auf dem normalen Landweg lassen sich die Dörfer der Ureinwohner im nordmalaysischen Regenwald nicht erreichen. "Mir rutschte fast das Herz in die Hosentasche", sagte Dekanatsmissionsbeauftragte Dagmar Zaha, als sie das  kleine Boot sah. Später wird es auch den anderen Reiseteilnehmern etwas mulmig, als der Motor mitten auf dem See plötzlich ausgeht. Zum Glück nichts Ernstes.

Am Orang-Asli-Dorf angekommen, helfen die Hofer die Lebensmittel mit auszuladen, die auf einem Begleitboot transportiert wurden. Die lutherische Kirche versorgt die Ureinwohner insbesondere mit Reis. "Es geht nicht in erster Linie darum, materielle Dinge zu bringen, sondern das Evangelium von Jesus Christus", erklärt Daniel Mualip, der für die Orang-Asli zuständige Dekan. Einmal im Monat kommt er in das Dorf und feiert hier Gottesdienst, wo Menschen weder schreiben und lesen können. Der Geistliche, selbst zur Gruppe der Ureinwohner gehörend, wird unterstützt von zwei Mitarbeitern.

Als die Oberfranken die einfachen Hütten in dem Dorf sehen, fühlen sie sich um Jahrhunderte zurück versetzt: In einem Raum wird gewohnt, gegessen und geschlafen. Nebendran gibt es eine Kochstelle. Neben den Hütten fallen den Kirchenvertretern aus Hof Solarzellen auf, die auf einem Ständer befestigt sind. "Damit haben wir hier nicht gerechnet", geben Dekanatsmissionspfarrer Florian Bracker und Dekan Günter Saalfrank zu. Wie sie erfahren, wurde die umweltfreundliche Technik dem Orang-Asli-Dorf von Hilfsorganisationen gespendet. Den Besuch der Gäste aus Deutschland hält eine Jugendliche mit einer Handykamera fest. Obwohl Analphabetin und ohne Funknetz im Dorf kann sie mit dem Gerät umgehen. "Sie merkt sich die einfache Bedienung", erzählt ein Orang-Asli-Mitarbeiter.

Die Hofer Delegation findet es gut, dass jungen Leuten eine Schulausbildung ermöglicht werden soll. "Ziel ist, damit den Lebensstandard im Dorf anzuheben," wird den Besucher erklärt. So müsse vor allem die hygienische Situation verbessert werden. Erster Schritt sei, das Dorf mit sauberem Wasser zu versorgen.

Nach fast drei Stunden verlassen die Hofer das Eingeborenendorf wieder und fahren mit dem Boot  in die Zivilisation zurück. Beeindruckt von den Erlebnissen in einer völlig fremden Welt, aber auch nachdenklich. "Damit den Orang Asli die Gradwanderung zwischen der traditionellen Kultur und der modernen Welt gelingt, brauchen sie eine gute Begleitung von außen", meinen die Mitglieder der Delegation. "Gut, dass sich die lutherische Kirche Malaysias hier engagiert".

Noch bis zum 20.September bleibt die vierköpfige Hofer Gruppe in Fernost. Am vergangenen Sonntag haben Dekanatsmissionspfarrer Bracker und Dekan Saalfrank bei Gottesdiensten gepredigt. Am kommenden Sonntag sind sie wieder in Gemeinden im Norden des asiatischen Landes im Einsatz. Missionsbeauftragter Gottfried Räthlein wird vor Geschäftsleuten über die Wirtschaft in Deutschland und Malaysia sprechen. Und Dekanatsmissionsbeauftragte Dagmar Zaha informiert über das Reformationsjubiläum in Deutschland.   güs