Am Samstag, den 15. März 2025, lud die Stiftung Kirchen bewahren um 17.00 Uhr zu einer besonderen Entdeckungsreise in die faszinierende Welt der historischen Markgrafenkirche Kirchgattendorf ein. Unter dem Motto „Das Schmuckkästlein“ erlebten die Besuchenden eine eindrucksvolle Führung, geleitet von der erfahrenen Heimatkundlerin Loni Reißer, und wurden von inspirierenden Orgel-Hörproben begleitet, präsentiert vom Kirchenmusikdirektor Georg Stanek. Auch der Vorsitzende der Stiftung Kirchen bewahren, Hermann Wunderer, erfreute die Anwesenden mit seinem Trompetenspiel.
Ein Blick ins Innere – Kunst und Glauben vereint
Bereits beim Betreten der kleinen Kirche offenbarte sich eine erstaunliche Fülle an kunstvollen Details. Im Zentrum des Raumes beeindruckte der Kanzelaltar, der als Triumphbogen des gotischen Chores gestaltet ist. Auf dem weißen Untergrund treten filigran gearbeitete Figuren hervor, die in eindrucksvoller Symbolik die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens verkünden:
- Unten: die Einsetzung des Abendmahls
- Rechts: die Kreuzigungsszene
- Links: die sogenannte „Eherne Schlange“
- Oben: die Auferstehung und der Prophet Jona
Im Mittelpunkt des Altars steht der Heiland, flankiert von den vier Evangelisten. Über allem erstrahlt ein goldenes Dreieck, in dem drei Feuerflammen leuchten – ein Meisterwerk des Hofer Bildhauers Wolfgang Adam Knoll, der auch das reich verzierte Orgelprospekt schuf. Von den ursprünglichen Figuren seines Vaters, Johann Nikolaus Knoll, wurden lediglich der Kanzelkorb und der Taufengel übernommen.
Zeitlose Meisterwerke und überraschende Details
Die Kirche beherbergt zudem beeindruckende Kunstwerke, die weit in die Geschichte zurückreichen. Besonders hervorzuheben ist das lebensgroße Kruzifix aus dem Jahr 1460, das – mit echten Haaren versehen – einen authentischen Einblick in vergangene Zeiten gewährt. Nachdem es während der Barockisierung der Kirche auf den Dachboden verlegt wurde, fand es 1938 seinen Weg zurück an seinen angestammten Platz.
Ein weiteres Highlight sind die gotischen Schnitzereien auf dem Chorgestühl von 1509. Dieses einzigartige Exemplar der Alt-Hofer Schnitzkunst, veredelt durch Schablonenbrandmalerei, ist das letzte seiner Art. Auch wenn der einst in der Kirche befindliche Marienalter mittlerweile im Bamberger Dom zu finden ist, bietet das Bauwerk noch viele weitere faszinierende Details: Eine Metalltür führt zur vermauerten Grablege der früheren Kirchenpatrone – auf deren Innenseite ein großes Skelett an die Vergänglichkeit erinnert. Hinter den Emporenbildern des Kirchenlamitzers Radius verbergen sich die „Männerstühle“, einfache Sitzbalken ohne Lehne, während die „Weiberstühle“ im vorderen Bereich mit den Namen früherer Besitzerinnen einen persönlichen Bezug zur Geschichte herstellen.
Ein kulturelles Erlebnis für alle Sinne
Diese Veranstaltung vereinte historische Entdeckungen mit musikalischen Genüssen und bot ein umfassendes Erlebnis, das alle Sinne ansprach. Kunst, Geschichte und Glaube wurden in einem atmosphärischen Rahmen lebendig und die zahlreichen Besuchenden erhielten faszinierende Einblicke in die einzigartige Architektur und Symbolik der Kirche zu Gattendorf. Im Anschluss an die Führung bestand die Möglichkeit zur Einkehr in die nahegelegene Gaststätte "Bedarfshaltestelle", welche von vielen dankbar genutzt wurde.